Schokolade in der DDR

Verfasst von Nina

Im Zuge der „Ostalgie“-Welle kommen immer mehr Produkte aus der ehemaligen DDR in ganz Deutschland wieder auf den Markt. Aber waren oder sind das alles Billigprodukte, so wie das Klischee sagt? Was haben die Leute im Osten so für Süßkram gegessen?

Nach dem Krieg waren in ganz Deutschland die Fabriken zerstört oder wurden zu Rüstungsbetrieben umgebaut, so auch die der Schokoladenhersteller. Und nicht nur deswegen war eine schnelle Aufnahme der Produktion unmöglich, denn es fehlten vor allem auch die benötigten Rohstoffe. Zusätzlich schuf die Trennung von den anderen Besatzungszonen weitere Probleme. Viele der großen Schokoladenhersteller hatten ihren Sitz im Osten Deutschlands und auch ein Großteil der Zuckerproduktion befand sich hier, doch die großen Zulieferbetriebe für Verpackungen und Maschinen waren in den anderen Besatzungszonen.

Zetti Edelbitter1946 wurden die „Naziaktivisten und Kriegsverbrecher“ enteignet. Im Zuge dessen begann man in der Deutschen Demokratischen Republik damit die Betriebe zu verstaatlichen und so wurden einige der größten deutschen Schokoladenhersteller zum Volkseigentum der DDR ( z.B. Halloren, Zetti oder Rotstern).

Wegen der schon erwähnten fehlenden Rohstoffe wurden in ganz Deutschland (!) Ersatzschokoladen hergestellt. Ab 1953 gab es in der DDR die berühmte „Vitalade„. Diese war heiß begehrt und bestand vor allem aus Haferflocken, Braumalz, Sojamehl und gehärtetem Pflanzenfett. Doch kaum gab es wieder richtige Schokolade gängig auf dem Markt wurde auch die Vitalade wieder unbeliebter. Sie wurde lediglich noch rund zwei Jahre als Überzug in der Konditorei verwendet.

Weit vor dem Westen, produzierte der Osten bereits wieder richtige Schoko. Ab dem Jahr 1948 hatte die Firma Berger die Möglichkeit für den holländischen Markt zu produzieren. Den Kakao bekamen sie vom niederländischen Händler. Bei der Produktion blieb Kakao übrig und so wurde die erste Inlandsschokolade der DDR nach dem Krieg hergestellt.

Ab 1953 gibt es dann wieder Schokolade regulär auf dem Markt zu kaufen. Doch es gibt nicht immer gleichviel, da die Verfügbarkeit der Rohstoffe immer nich stark schwankt. Die Qualität der Ostschokolade steht der im Westen um nichts nach, ja sie produzieren sogar einiges für den Markt der BRD. Der einzige Unterschied zwischen West und Ost besteht darin, dass im Osten noch bis zum Ende der DDR die Schokoladenersatzprodukte verkauft werden, wohingegen sie im Westen schon längst verschwunden waren.

Nach 1989 wurden die meisten Ostschokohersteller von westlichen Firmen aufgekauft und verschwanden so. Das Verschwinden der Ostprodukte liegt also nicht an der schlechten Qualität, wie viele meinen. 😉

In den letzten Jahren finden sich wieder Ostprodukte auf dem ganzdeutschen Markt, wie zum Beispiel Zetti oder Bambina. Wer sich für diese Produkte interessiert, kann sie auch im Internet bestellen, zum Beispiel bei osthits.de oder ostprodukte-versand.de


2 Kommentare

  1. Ines Marschinska sagt:
    06. Mai 2013 um 15:16

    Wir hatten zu DDR-Zeiten eine Schokolade die Creck hieß. Sie kostete eine Mark. Auch hatten wir eine Kinderschokolade zu sechzig Pfennig. Es gab beide Sorten nicht immer zu kaufen. Aber sie waren einfach lecker. Beide Sorten sind nach der Wende vom Markt verschwunden. Warum eigentlich? Oder gibt es sie doch noch?

  2. Kurt Meran sagt:
    28. Juli 2014 um 20:58

    Ich weis ja nicht wie alt Nina ist, aber ich habe in meiner Kindheit zuerst den Schkoladenersatz des Krieges genossen und später gab es Fondant-Pralinen. Am Weihnachtsbaum hingen Fondantkringel. An richtige Schokolade war nicht zu denken. Wenn wir ein Westpaket bekamen, eine Tante arbeitete bei Sarotti, dann war die billigste Westschokolade drin. Mein Lieblingspudding war Vanillepudding. Den Geschmack, den ich Mitte der vierziger davon auf der Zunge und im Gedächtnis hatte, hat später nie ein Vanillepudding wieder erreicht. Wenn ich heute Schokolade esse, dann fast nur von Zetti! Und übriges, wenn ich daran zurückdenke, dass ich oft nichts zu Essen hatte und an der Schulspeisung nicht teilnehmen konnte weil das Geld nicht langte – „Schokolade“ war da gar nicht drin! Ich habe die Häuser noch brennen und zerfallen sehen. Wer dachte da an Schokolade. Und später war ich froh, wenn ich Margarine auf dem Brot hatte – Schokolade? An so etwas dachte ich erst am Ende der Fünfziger.


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